Mit „Spritz Reading“ den Turbo beim lesen zuschalten

Seit ein paar Tagen geistert ein Begriff durch meine Kanäle „Spritz Reading“. Nein, nicht Apreol Spritz und auch keine sonstigen alkoholischen Getränke. Mag man als Deutscher wieder einmal über die Namensgebung ausländischer Unternehmen wundern (ich sag nur: Wix-Homepagebaukasten ), so könnte das Produkt bzw. das System das sie entwickelt haben für einiges Aufsehen sorgen.

Man stelle sich vor: den ersten Band von Harry Potter in knapp 1.5 Stunden gelesen.

Ordnung ist das halbe Leben und letztendlich auch das Prinzip der Spritz Reading Technologie.

Wieso klappt das mit dem Spritz Reading? Ich hab mich mal auf der Seite mit dem Prinzip vertraut gemacht. Ziemlich coole Geschichte. Wenn wir lesen, sucht sich unser Auge in jeden Wort den sogenannten ORP (Optimal Recognition Point)…nicht wissenschaftlich ausgedrückt: Den Teil des Wortes, wo unser Gehirn sagt: „Ja, dieses Wort kenne ich und es hat die folgende Bedeutung.“

Und weil unser Auge dafür die Worte scannen muss (um diesen ORP zu ermitteln) bewegen sich unserer Augen. Auch auch weil wir von links nach rechts lesen (in westlich/europäischen Ländern) bzw. rechts nach links (in asiatisch/arabischen Ländern). Bei der  Spritz Reading Methode legt man diesen ORP immer auf die selbe Stelle und highlighted ihn. Sprich das Auge muss sich sehr viel weniger bewegen um die Wortbedeutung zu erkennen. Dadurch wird die Information schneller vom Gehirn verarbeitet. Mit etwas Übung kann man es wohl auf bis zu 1.000 Wörter pro Minute bringen (was dem knapp fünffachen der normalen Lesegeschwindigkeit entspricht).

Wer mehr Informationen über das Prinzip lesen will, sollte einmal auf der englisch sprachigen Seite von Spritz Inc. vorbei schauen.

Spritz - Technologie

Wer es selbst mal ausprobieren will, kann mal bei der Süddeutschen Zeitung vorbei schauen. Dort gibt es eine deutsche Demo der Spritz Reading Technologie. (Ich hab leider keine Möglichkeit gefunden mit dieses Teil auf meine Seite einzubauen.

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Ein Segen für gestresste Manager und Schüler/Studenten

Wenn ich an die Einsatzgebiete für die Spritz Technologie denke, fällt mir sofort eins ein: Die Schule. Was hab ich mich damals gequält diese Reclam Heftchen zu lesen. Mit Spritz Reading könnte man so ein Ding in wenigen Minuten durchlesen und zumindest wissen warum Julia für Romeo in den Tod gegangen ist oder warum  Götz von Berlechingen es so mit dem Rülpsen und Furzen hatte.

Ein Segen dürfte auch die Technologie für Manager sein, was Samsung gerade mit SpritzInc. macht. Im neuen Galaxy S5 und der Gear 3 wird diese Technologie erstmals verbaut sein. Das sich gleich eines der Schwergewichte der Smartphone-Industrie dieser Technologie angenommen hat, dürfte der Verbreitung ohne Frage zuträglich sein. Gerade wenn ich unterwegs bin und vielleicht eben nicht die Zeit habe mein Smartphone rauszuholen wäre es ziemlich nützlich schnell die eingegangene Mail auf meiner Uhr zu überfliegen…kucken das alles in Ordnung.

Der Belletristiker & der Deepdiver werden keine Freunde von Spritz Reading

Doch nicht immer wird diese Technologie ihre Anwendung finden. Der Vorteil der Spritz Reading Technologie geht darin sehr Information in kürzester Zeit in das Gehirn des Lesers zu stopfen. Jedoch gibt es zwei entscheidende Punkte der Technologie, die Spritz wohl so in der Form nicht bedienen kann und auch nicht will:

1. Referenzieren statt überfliegen. Es kann das Wissen bzw. Aussage von diesen Texten aufnehmen. Jedoch wenn ich eine Arbeiten schreiben muss und auf Quellen referenzieren muss, dann muß ich dennoch wieder zurück zum guten alten Buch bzw. eBook

2. Der Spass am Lesen. Belletristik muss man nicht im Turbogang „überfliegen“. Da will man eintauchen. Teil der Geschichte werden und nicht mit 500 Wörten pro Minute  daran vorbei hetzen, wenn Harry Potter Lord Voldemord im letzten Band gegenüber tritt…oder Katniss Everdeen ihren Peter küsst. Hier zählt der „Genus des Lesens“ mehr als die Geschwindigkeit

Erstes Fazit: Da kommt was und es sieht vielversprechend aus.

Spritz Reading wird sich im Massenmarkt beweisen müssen. Aber der Ansatz viel Text mittels kleinster Displays zu erfassen und zu verarbeiten klingt vielversprechend. Wie alle Technologien wird auch Spritz Reading die Hürde der Massenakzeptanz nehmen müssen. Aber nach meiner Einschätzung dürften die oben genannten Zielgruppen schon sehr gespannt auf die Einführung der Technologie sein. Und wenn man es sich so anschaut, sind das auch entsprechend kaufkräftige Zielgruppen im Smartphone Segment.

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