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Eine Frage: Wärst du in der Lage ad hoc von 3 Freunden zu erzählen, was sie in den letzten beiden Tagen gemacht haben?

In den meisten Fällen würde jetzt das Smartphone gezückt werden und einmal schnell die Timeline geprüft werden und schon wäre die Antwort gefunden. Irgendwie ist das traurig. Ich setze mich schon seit Wochen mit dem Thema „Facebbok“ auseinander. Gut, das habe ich auch schon vorher gemacht. Als die Facebook-App raus kam, als der Facebook Messanger raus kam, als man gemerkt hat das der Facebook Messanger die reinste Abhör-Wanze ist…auch da habe ich mich mit dem Thema „Facebook“ auseinander gesetzt.

Jetzt ist es aber irgendwie anders. Es geht nicht mehr nur darum, was Facebook mit den bei mir gewonnen Daten macht. Es geht vielmehr um die Frage „Wie definiere ich mich? Wie kommunizieren wir miteinander? Kommunizieren wir überhaupt noch miteinander? Und wenn ja, wie hat sich diese Art der Kommunikation verändert im Laufe der letzten Jahre/Jahrzehnte?“ Und Facebook hat hier etwas geschafft, dass nur ganz ganz wenigen Firmen überhaupt gelungen ist. Es hat unsere Lebensgewohnheiten beeinflusst. So wie Apple das Thema Musik (mit dem iPod) und das Thema Mobilität (dank iPhone) nachhaltig verändert hat, so hat Facebook uns verändert in der Art wie wir kommunizieren.

 

Ein Beispiel:

Geburtstag. Früher hat man seine Freunde angerufen…man kam mal vorbei, und wenn es nur für ein paar Momente war. Irgendwann kam das Handy und man hat eine SMS geschickt. Dann kam das Internet so richtig auf und man hat eine E-Mail geschickt. Es wurde zwar immer unpersönlicher, aber dennoch musst ich eine Handlung ausführen die eine direkte Reaktion beim Geburtstagskind hätte auslösen können. Dieser zurückrufen oder zurück schreiben können. Auch so wäre eine Unterhaltung zu stande gekommen. Durch Facebook wurde selbst dieser recht annonyme Weg jemandem zu gratulieren nochmals annonymisiert. Heute schreibe ich der Person auf die Wall. Und weil das auch schon zu kompliziert sein könnte, bietet mir Facebook eine Übersicht über alle Geburtstagskinder an…inkl. Reminder per E-Mail und das erste was man heute sieht, wenn man Facebook öffnet ist die Erinnerung von Facebook das die Person XY Geburtstag hat, und man solle doch was Nettes schreiben. Dazu geht dann ein Formular mit einem Feld auf und ich kann noch ein nettes Bild dran hängen (was man nur in den seltensten Fällen tut). Und so reiht man sich dann ein in die Liste der Gratulanten und hat das „gute Gewissen“ …“ Hey, ich hab an deinen Geburtstag gedacht!“.

Aber ist dem wirklich so? Habe ich wirklich an jemanden gedacht, wenn ich ihm auf seine Facebook Wall schreibe? Irgendwie bin ich nicht dieser Meinung. Facebook macht es denn Usern zu einfach Soziale Beziehungen zu „pflegen“. Ohne Frage, Facebook hat Menschen auch zusammen gebracht, die sich so vielleicht nie gefunden hätten, aber der Preis dafür war „Beliebigkeit“. Jeder ist ein „Freund“, ob Schulfreund aus alten Tagen, Arbeitskollege, Mensch mit gleichen Interessen oder Kunden. Alle werden „eins“. Und nein, das paßt nicht. Man sollte das Thema Freundschaft doch sehr viel reflektierter betrachen und auch entsprechend so handeln.

War es noch vor wenigen Jahren so das Facebook tatsächlich eine Art der Kommunikation war, wo meine Freunde das gesehen hat, was mich wirklich umhertreibt, so ist es heute nur noch eine Art „Selbstdarstellungsplattform“, wo man sich von seiner besten Seite zeigt und auch immer nur das positive präsentiert. Die neueste Anschaffung…die besten Bilder aus dem Urlaub…die Feier auf der man Spass hatte. Kritik oder Negatives wird nur noch sehr sehr dosiert geäussert. Stellt sich also die Frage: Wozu ist man dann auf Facebook?

Snapchat, eine Alternative?

Wenn man soziale Medien betrachtet geht es in der Regel darum eine Art Sammlung von Ereignissen und Dingen zu sammeln und zu präsentieren. Snapchat ging anfangs einen komplett neuen Weg. Den Weg der Vergänglichkeit. Nachrichten die nach einmal lesen auf nimmer wiedersehen verschwinden. Eine völlig neue Art der Online-Kommunikation und dennoch sollte sie uns ja vertraut sein. Es ist die Art wie wir in der Regel ja auch face-2-face kommunizieren. Es sei denn man lässt ein Tonband mitlaufen, was ja auch die wenigsten in der Regel machen. Auf einmal musste man eine alte/neue Art des Kommunikationsverhaltens an den Tag legen. Man musste Aufmerksam das lesen, was das der Gegenüber schreibt, denn sobald man das Chatfenster schliesst sind die Nachrichten und die Bilder weg. Mit Einführung der Snapchat-Stories wurde diese Art der Kommunikation noch einmal erweitert…nicht zum Negativen…im Gegenteil. Plötzlich konnte man Bildergeschichten erzählen und Menschen aktiv an seinem Leben teilhaben lassen. Genauso wie auf Facebook&Co. Aber immer noch mit diesem Faktor „Vergänglichkeit“, dann auch nach 24 Stunden waren die Erinnerungen weg. Zwar konnte man auch schon dort Bilder als Rezipient speichern, aber es waren Bilder und Erlebnisse die darauf angelegt waren „vergänglich“ zu sein, wie die natürliche Unterhaltung. Doch jetzt ist Snapchat dabei einen gravierenden Fehler zu machen. Sie wollten ihren Service noch besser zu monetarisieren.

Ansich nichts falsches, denn auch solche Unternehmen müssen Gehälter bezahlen und Gewinne erzielen, lediglich die Art und Weise wie sie Geld verdienen wollten war grundlegend falsch. Mit dem Angebot einmal gesehene Bilder nochmal aufzurufen…die erste Wiederholung gibt s gratis….sollte man sich das Bild danach nochmal anschauen wollen, soll das zukünftig gegen Bares möglich sein. Damit würden sie aber ihr eigenes Grundprinzip verraten. Und so wurde aus einem „besonderen“ Chat-Client wieder ein „normaler“ Chat-Client. Und „normale“ Chat-Clients gibt es wie Sand am Meer. Allen vorran natürlich wieder Facebook mit seinem Messanger. Gut, diese Bezahlfunktion gibt es (noch) nicht hier in Deutschland…aber wenn Sie kommt, wird sie auf alle Fälle diesem Messanger zwar Geld in die Kassen spülen. Nur dann wird dieser Chat-Client eine Menge Charm einbüsen.

5. Regeln für mehr miteinander anstatt

Wenn man wieder näher an einander rücken will, muss das nicht zwangsläufig mit einer Verteufelnung der Sozialen Plattformen einher gehen. Vielmehr geht es darum sich viel bewußter zu machen, das hinter einer Facebook Wall auch ein Mensch steckt der vielleicht viel mehr Interesse hat mit dir zu direkt zu reden. Daher hier mal 5 Tipps:

01. Chat statt Wall

Dein Freund/Bekannter hat Geburtstag…schreib ihm nicht auf die Wall. Schreib ihn direkt an. Auch wenn das die „Gefahr“ birgt das die Person dir direkt antwortet und du tatsächlich eine Konversation halten musst. Die Frage die du dir dann stellen solltest: Ist die Person dann wirklich so „wichtig“, wenn es einen Überwindung kostet sie mal direkt anzuschreiben.

02. Mach dich (auf Facebook) rar und du bist der Star

Klar ist es einfacher mal schnell alles auf die Facebook Wall zu posten. Wenn du aber deine Sachen aber zum Beispiel in ein Blog schreibst, teilst du dich immer noch der Welt und deinen Freunden im Netz mit. Kleiner Unterschied ist, dass die sich nun auf den Weg zu deiner Seit machen müssen, statt gemütlich ihre Wall runter zu scrollen. Klingt umständlicher und ist es auch. Aber dann kannst du sicher sein das diese Leute auch ein gepflegtes Interesse an deiner Person haben. Und das sollte dir auch eine entsprechende Wertschätzung dieser Menschen abringen. Zum Anderen entziehst du dich damit natürllich auch der Facebook Marketing-Maschine. Kann mit unter dann dazu führen das dich Facebook auf einmal mit nicht mehr so ganz zielgerichteter Werbung bombadiert, sollte sich dein Geschmack in bestimmten Gebieten geändert haben. Na ja, das wäre wohl dann wohl zu verschmerzen.

03. Treffen und Reden

Klingt irgendwie blöd, aber schon mal darüber nachgedacht sich einfach mal wieder mit den Leuten zu treffen? Klingt erstmal ziemlich abenteuerlich. Aber früher (also so in der Pre-Internet/Smartphone Welt) hat man das ständig so gemacht.

04. E-Mail für dich

Keine Zeit sich face-to-face zu sehen, oder der/die andere wohnt zu weit weg? Schreib ne Mail! E-Mails schreiben hat einen ganz entscheidenen Vorteil: Man kann sich über einen längeren Zeitraum mal voll darauf konzentrieren seinem Counterpart alles zu schreiben, was einem so die letzte Zeit passiert ist. Man wird nicht gestört und man kann auch hier schön viele Bilder anhängen.

05. Voicen

Ich weiss gar nicht, ob es dieses Wort überhaupt gibt, aber sowohl Whatsapp als auch diverse andere Messanger kann man auch Sprach- und Video Snippeds verschicken. Das ist für die Schreibfaulen vielleicht eine nette Alternative zum tippen. Und es ist sogar noch eine Schippe persönlicher als Nachrichten tippen. Die Extended-Version davon wäre „skypen“ sprich Videokonferenzen. Dabei sieht man sich dann auch noch. Wenn das nicht gewünscht ist (weil bad hair day oder so) wäre das altmodische Telefonieren auch noch eine Alternative.

Fazit

Facebook hat mit seinen Tools und Services uns nachhaltig in unserem Kommunikationsverhalten verändert. Es gleicht Personen an, die eigentlich nicht „gleich“ sind, und gibt uns Kommunikationswege vor, die es uns „leichter“ machen noch oberflächlicher zu kommunizieren. Die Frage ist, ob das nicht mehr zu einer Entfremdung führt. Versucht stattdessen abseits von der Plattform mit dem weißen „F“ auf blauem Grund mit euren Leuten zu kommunizieren. Telefon, E-Mail und auch Snapchat sind Alternativen die man nicht vergessen sollte.

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