Smart Glasses – Mobile next Generation

Smartphones sind inzwischen allgegenwärtig und sind in der heutigen Zeit nicht mehr aus der Kommunikation wegzudenken. Das mobile Telefonieren hat hat das klassische Festnetz Telefon auch in der Verbreitung längst hinter sich gelassen. Schon 2016 haben mehr Deutsche ein Smartphone als einen Festnetzanschluss besessen. Und die Tendenz dürfte sich bis in die heutige Zeit fortsetzen und verstärken. Der Ausbau des LTE Netzes und die damit verbundene Steigerung der Datenraten dürfte ein übriges dazu beitragen. Dazu kommt die Evolution des Smartphone, welches inzwischen weit weg vom reinen Telefon-Medium. Es ist ein Multi-Device für:
  • Telefonie
  • Bilder/Filme
  • Textnachrichten verschickt (Whatsapp, Telegram, SMS)
  • Informationsmedium (Nachrichten)
  • Unterhaltungsmedium (Spiele, Filme)
Und auch wenn erste Ansätze nicht erfolgreich waren, so ist der Gedanke ein “One Device fits all” zu haben, das auch den klassischen Arbeits-PC abzulösen immer noch nicht ausgeträumt. Microsoft hat mit Windows 10 die Basis geschaffen Smartphones auch zu echten Arbeitsgeräten umzufunktionieren. Die Rechenleistung und der Arbeitsspeicher ist hierfür in jeden Generation der letzten Jahre ausreichend vorhanden, um klassische Bürotätigkeiten (Office) ordentlich abzuliefern. Daher werden die Geräte nach den Jahren in denen das Motto galt “kleiner ist besser”, jetzt wieder größer und 5,5” Bildschirme ist der gängige Standard der heutigen Zeit. Apple geht mit seinem iPhone X auch schon auf die 5,7” und Huaweii hat auch ein 6” Gerät im Angebot. Aber ist das jetzt die Marschroute der nächsten Jahre? Ich sage nein. Der Trend wird sich in den kommenden Jahren wieder drastisch umkehren. Das Zauberwort hierfür lautet: Wearables.

Die „Kleinen“ kommen wieder

Kleine Smarte Devices, die in Verbindung mit dem Smartphone Informationen sammeln und auch wiedergeben. Allen voran im Bereich der Wearables ist die Smartwatch. Apple Watch und Samsung Gear sind inzwischen immer stärker verbreitet und bieten dem User essentielle Informationen direkt am Handgelenk, ohne das der User sein Smartphone aus der Hosentasche nehmen muss. Auch beim Informationen sammeln ist die Smartwatch immer beliebter im Laufe der Zeit geworden. Gerade im Sport-Sektor sind Wearables inzwischen gängig um seine Leistungsziele zu dokumentieren. Und telefonieren kann man mit Smartwatches inzwischen auch. War dies früher nur in Verbindung mit einem Smartphone möglich, werden neuere Geräte inzwischen schon Sim-Karten Slots ausgeliefert. Selbst Apple bietet mit seiner 3. Generation von Apple Watches mit einer Möglichkeit an direkt und ohne iPhone zu telefonieren. Das es solche Smartwatches im Android-Bereich schon seit Jahren gibt sei nur als Randbemerkung mal gesagt. Jedoch hat die Sache einen Haken: Nicht jeder möchte seine Umgebung an seinen Telefonaten teilhaben lassen, und wie in Star Treck mit seiner Hand bzw. seinem Handgelenk vor dem Mund kommunizieren. Jedes mal mit irgendwelchen Bluetooth Kopfhörern rumzurennen, ist auch nicht wirklich eine nutzerfreundliche Art (geschweige denn sieht es “cool” aus…schon gar nicht mit den neuen Apple Earpods #hatersgonnahate).

Smart Glasses schließen die Lücke

Hier könnte aber ein weiteres Wearable die Lücke schließen, wobei man eher von “eyeable” sprechen muss: Die Smart Glass. Bei den Meisten die an “Smart Glasses “denken, kommt sofort die “Google Glass” in den Sinn. Der Versuch scheiterte neben dem hohen Preis auch an der puren Häßlichkeit der Brille. Und das die Umgebung zeigte sich nicht sonderlich erfreut, wenn jemand permanent mit einer Kamera auf einen schaute. DAs trug ebenfalls nicht dazu bei, dass sich diese Brille nie durchsetzen konnte. Aber Zeiten ändern sich, und Brillen auch. Neueste Smart Glasses sind kaum noch von gängigen Brillengestellen zu unterscheiden. Höchstens die etwas breiteren Bügel verraten, dass es sich hierbei um eine “smarte” Brille handelt, wobei “breiter” auch schon eine Geschmacksfrage ist. Drei Anbieter haben in diesem Punkt von sich Reden gemacht, und könnten genau diesen Markt anfangen zu besetzen.

VUE Glasses

Die erste “Smart Glass” die in Richtung “alltagstauglich” ging war das Kickstarter VUE Glass. Ein alltägliches Brillengestell mit entsprechenden Sehhilfen (Gläsern), die aber auch gleichzeitig Freisprecheinrichtung und Datensammler (GPS) ist. Dank der earbone Technologie, die hier zum Einsatz kommt, verschwinden Kopfhörer komplett und werden in einen anderen Alltagsgegenstand integriert. Die Vue war eine der ersten Smart Glasses, die sich von der Idee unbedingt eine Kamera in die Brille integrieren zu wollen verabschiedeten und stattdessen die Brille mit reinen Audio-Features auszurüsten. Das spart Platz und eröffnet die Möglichkeit die Brille “Alltagstauglich” zu gestalten. Lediglich die breiteren Bügel weisen darauf hin, dass irgendwas mit dieser Brille “anders” ist. Leider scheint im Moment das Projekt noch Kinderkrankheiten zu besitzen, da die Auslieferung sich von geplant Juli 2017 auf jetzt März/April 2018 verschoben hat (bis jetzt…eine Auslieferung ist immer noch nicht sicher, was zu gewissen „Unstimmigkeiten“ innerhalb der Backer-Community geführt hat.) Dennoch muss man sagen, dass die VUE einen sehr soliden und alltags tauglichen Eindruck macht, und die Influencer, welche schon die Chance hatten einen der Prototypen zu testen zeigten sich alle durchweg positiv beeindruckt von der VUE. Man darf also gespannt sein, wie die Masse reagieren wird, wenn sie denn endlich mal ihre Brille bekommen!! (Merkt man, dass ich auch für dieses Projekt gepledged hab?)

LET Glass

Was passiert, wenn man seinen „First Mover“ Vorteil verspielt, darf  das VUE Projekt gerade am eigenen Leib erfahren, denn die Konkurrenz schläft nicht, und ein weiteres Crowdfounding-Projekt hat sich auf den Markt begeben, um ein (grosses) Stück vom Smart Glass Markt abzugreifen. Optisch sehr ähnlich, jedoch noch einen Schritt weiter zur Vue Glass hat sich ein Crowdfounding Projekt aufgemacht und möchte im Mai eine Smartglass auf den Markt bringen, die nicht nur die Betriebssysteme iOS und Android bedient, sondern auch mit  Amazons “Alexa” kommunizieren kann. Dazu soll die Brille (bzw. die App) eine Art AI besitzen, die mit längerem tragen der Brille die Gewohnheiten der Person erkennt und bestimmte Aktionen und Vorschläge darauf hin unterbreitet. Spooky? Ja….geil? JAAAAAAAAA ! Ich bin gespannt.
LET-black
Design
LET-blue
LET-in-the-car
LET-in-the-study
LET-red
LET-outside
touch control

INTEL VAUNT

Etwas überraschend kam die Ankündigung Anfang Februar des Chip-Herstellers INTEL ebenfalls eine Smartglass auf den Markt bringen zu wollen. Und das ist eine Smartglass auf dem next level. Während die Vue und die Let Brillen sind die mittels Audio mit ihrem Träger kommunizieren, ist die Vault mit einem Miniatur-Laser ausgerüstet, der Nachrichten oder Navigations-Hilfen direkt auf die Netzhaut des Trägers projiziert. Als Brillenträger bekommen man sein eigenes Heads Up Display in die Brille eingebaut. Und diese Brille sieht zwar schon nicht mehr ganz so “normal” aus, wie die Vue oder die Let, aber immer noch um Lichtjahre “normaler” als es die Google Glass je war. In der Presse wird zwar vermutet, dass diese Brille das Prototyp-Stadium nicht verlassen wird, aber andere Quellen sagen das INTEL auf der Suche nach Vertriebspartnern ist.  Was die Vaunt auf alle Fälle von den beiden ersten Smartglasses unterscheidet ist die Tatsache das hier kein Kickstarter am Start ist, dass auf die Finanzierung durch Kickstarter & Co. bzw. Venture Capital Firmen angewiesen ist. INTEL ist ein Dickschiff mit wesentlich grösseren Geld Töpfen und entsprechender Manpower. Was ebenfalls dafür spricht das INTEL diese Brille auf den Markt bringen wird: Der Markt für Smartglasses ist noch völlig unangetastet. Es gibt niemanden der auf diesem Markt einen Claim abgesteckt hat. Es gibt auch noch keine Alltags taugliche Smartglass, die so in der Art zu kaufen ist. Rein wirtschaftlich gedacht, würde es hochgradig Sinn machen, in diesen Markt zu gehen, da de facto keine Konkurrenz vorhanden ist, die solche Features in einer Brille anbietet.

Der Preis macht die Musik

Entscheidend für den Markterfolg dürfte der Preis sein. Eine Brille, die 1.000 EUR kostet wird ähnlich scheitern, wie es die Google Glass damals tat, zumal die VUE und die LET für um die 150 EUR zu bekommen sein werden. Und das ist ein wesentlicher Kaufaspekt. INTEL wird hier also gut kalkulieren müssen, was dieser Mehrwert durch die Heads Up Funktion wert sein wird. Eine Brille für den Massenmarkt, sollte auch einen massentauglichen Preis inne haben. Nicht jeder ist bereit wie bei einem iPhone oder einem Samsung 1.000 EUR auf den Tisch zu legen, zumal die Brille nur eine Erweiterung des Smartphones ist. Sprich: Ein Add-On. Ein zu teures “Add-On” verschwindet schnell in den Schubladen mancher Geeks bzw. Rich Kids.

Smartwatch + Smart Glass = Mobile Nutzung 2.0?

Gerade die Ankündigung der Vaunt sollte gerade Smartphone Hersteller hellhörig machen, da sie einen Use Case aufmachen, der bis dato eigentlich komplett dem widerspricht, was gerade Ziel aller großen Smartphone Hersteller ist: Große Geräte zu bauen. Fakten-Check: Was macht man mit dem Smartphone heute? Im Grunde kann man fast alle Aktivitäten mit dem Smartphone auf die folgenden Tätigkeiten reduzieren:
  • Telefonie (logisch)
  • Textnachrichten (Whatsapp, Telegram, SMS)
  • Navigation (Google Maps)
  • Fotos
  • Gesundheit (Sprich Fitness Tracker)
  • Filme schauen
  • E-Mails schreiben
  • Spielen
  • Musik hören
Damit dürften so 95% alles Nutzungsarten eines Smartphones abgedeckt sein. Jetzt schließen wir alle Nutzungsarten aus, für die man ein heutiges Smartphone bräuchte, weil dafür auch ein entsprechend grosses Display von Nöten ist:
  • Telefonie (logisch)
  • Textnachrichten (Whatsapp, Telegram, SMS)
  • Navigation (Google Maps)
  • Gesundheit (Sprich Fitness Tracker)
  • Musik hören
Wenn man sich das anschaut, fällt einem auf, dass die essentiellen Anwendungsfälle mobiler Kommunikation immer noch gegeben sind in der Kombination Smartwatch+Smartglass. Kurze Whatsapp Nachrichten tippen bzw. Voice Messages verschicken klappt auch heute schon mit jeder halbwegs vernünftigen Smartwatch. Smartwatches sind nicht darauf ausgelegt um auf ihnen Romane zu schreiben, aber das müssen sie auch nicht.  Kurze Nachrichten kann man inzwischen dank immer besser werdender Spracherkennung auch einsprechen, bzw. immer noch mehr oder weniger angenehm eintippen. Für die lange Mail wird es weiterhin ja auch noch Tablet und Notebook geben. Wir werden (wieder) unser Nutzungsverhalten anpassen, da der Convinience Faktor mit der Kombination Smart-Brille + Smart-Watch definitiv ein Anreiz sein wird, vom klassischen Smartphone sich zu verabschieden.

Fazit – Die Zukunft wird wieder kleiner

Dank Miniaturisierung und immer leistungsfähigerer Prozessoren werden wir in den nächsten Jahren erleben, wie sich der Smartphone Markt gehörig umkrempeln wird. Die Basis dafür ist schon heute gelegt. Das klassische Smartphone wird auch weiterhin seine Daseinsberechtigung haben, aber die Verkaufszahlen werden zurück gehen…die Innovationszyklen werden sich anpassen und der Markt für entsprechende Smart Devices wird gehörig wachsen. Wir werden uns daran gewöhnen Menschen zu sehen, die scheinbar mit sich selbst reden und in nicht allzuferner Zukunft werden wir uns auch an Menschen in der Ubahn gewöhnen müssen die scheinbar durch uns durch schauen, während sie in ihrer Brille vielleicht den neusten Blockbuster schauen oder einen Konferenz-Call abhalten.

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