Wenn man an Bildbearbeitung und Verwaltung denkt, dann kommen einem in der Regel sofort die Produkte von Adobe in den Sinn. Klar, sind sie doch die meist verbreitetsten Tools. Leider haben Adobe Produkte einen kleinen Nachteil: Sie gibt es nur im Abo und das schlägt in der Photoshop/Lightroom Kombination mit knapp 12 EUR im Monat zu buche. Gut, sobald man etwas intensiver sich mit dem Thema Fotografie auseinandersetzt kommt man eigentlich nicht um diese Kombination von Tools herum.

Auch wenn es mit Luminar und Affinity Photo inzwischen Konkurrenz gibt. Ich hab beide Tools auch zuhause, aber eher weil mich der Einmal-Zahlen-Preis gereizt hat und ich einen Hals damals auf Adobe hatte. Aber nachdem Luminar AI für mich ein Griff ins Klo war (weil man die Bildverwaltung einfach mal gekillt hat, aus welchen kranken Gründen auch immer) und Affinity Photo echt irgendwie lahm ist wie Bolle (keine Ahnung warum, auf einem i5 mit ner 1050TI und 20 GB RAM sollte das Tool eigentlich rennen wie Sa u… tut´s aber nicht. Ich finde es irgendwie “lahm” im Vergleich mit Photoshop. Kann aber auch ne persönliche Empfindung sein.). Bin ich wieder bei Adobe gelandet. Aber ok, 12 EURO im Monat summiert sich halt mal auf 144 EUR im Jahr. Und manch einer will gerade am Anfang wenn er die Welt der Fotografie betritt nicht gleich diese Investition machen, was auch absolut gerechtfertigt ist. Daher hab ich mich mal umgeschaut was in 2022 so an Tools auf dem Markt ist, wo man für schmales Geld (nämlich 0 EURO) seine Bilder trotzdem bearbeiten kann. Und hier mal 5 Tools, die ich auch selbst zum Teil heute noch nutze, weil sie schlichtweg einfach praktisch sind.

Darktable

Im Bereich der Freeware/Open Source RAW-Editoren/Bildverwaltung á la “Lightroom” gibt es nicht wirklich viel Auswahl. Eigentlich gibt es sogar nur 2 Tools, die man ernsthaft in Erwägung ziehen kann. DAs eine nennt sich “RawTherapee” und das Zweite nennt sich Darktable. Bei Beiden muss ich sagen, dass sie was die Bearbeitungsgeschwindigkeit anbetrifft beide nicht mal Ansatzweise an Lightroom ran kommen. Mit meinem Mac Pro 6.1 mit 32GB RAM und den beiden AMD FirePro Grafikkarten (wobei nur eine dafür genutzt wird) ist jetzt nicht die allerschlechteste Hardware und dennoch braucht jedes der beiden Tools um Längen mehr Zeit einzelne Optimierungen zu berechnen. Des Weiteren sind Schnittstellen zu anderen Tools halt auch nochmal so ne Sache. Ich kann eine File halt nicht “einfach mal so” an ein Tool wie Gimp oder so übergeben, sondern muss das Foto exportieren und dann kann ich es erst mit dem nächsten Tool im meinem Workflow bearbeiten.

Anyways, neben diesen Einschränkungen die man hier in Kauf nehmen muss ist für mich Darktable mein persönlicher Favorit. Das liegt in der Hauptsache im Aufbau des Interface aka der Bedienungsoberfläche. Ich mag die Art, wie alles angeordnet ist. Die Verwaltung seiner Bilder ist mit Darktable ein Kinderspiel. Man kann wie in Lightroom Bilder mit Sternen bewerten oder mit Farben gruppieren. Geht alles leicht von der Hand. Von den Bearbeitungsmöglichkeiten steht Darktable Lightroom kaum in irgendwas nach. Gerade wenn jemand in das Thema Fotografie einsteigt und “on a budget” ist (sprich: Will/Kann jetzt hier nicht gleich zu viel Geld investieren) ist Darktable ein echt gelungenes Tool, mit dem man seine Raw-Bilder sehr gut verwalten und bearbeiten kann.

Photopea.com

Wenn es dann um die Bearbeitung von Bildern im Einzelnen geht, war bis Dato GIMP eigentlich immer mein Favorit. Das hat sich geändert, seit es im Netz photopea.com gibt. Gerade wenn man auch das Feeling und einen Großteil der Features von Adobes Photoshop haben möchte, ist photopea die beste Alternative. Und das Beste: Man muss es nicht mal installieren, da es eine Online-Plattform ist. Ok, wenn man sollte jetzt nicht unbedingt eine 2 MBit Internetleitung haben, da man die Bilder auch erstmal hochladen muss. Aber wenn das zu bearbeitende Bild erstmal online ist, geht die Bearbeitung flüssig und schnell. Die Oberfläche ist Photoshop nachempfunden und wie bereits erwähnt sind eine Vielzahl an Features die Photoshop bietet auch dort verfügbar (z.B. Ebenen, Filter, Farbkorrekturen). Es gibt eine Schnelldownload Funktion wo man mit einem Klick das bearbeitete Bild schnell auch wieder runterladen kann. Und auch sonst bietet photopea eine echt angenehme Arbeitsweise.

Polarr

Ich muss sagen das Polarr ein Tool ist das ich auf keinen Fall missen möchte. Weder auf meinem Mac noch auf meinem Smartphone. Polarr ist ein einfach gehaltenes aber dennoch sehr mächtiges Tool, mit dem man schnell und ohne große Vorkenntnisse direkt in die Bildbearbeitung. Die Bedienung ist intuitiv und bietet selbst in der Free-Version ausreichend Filter und Einstellmöglichkeiten, welche eine Basis-Bildbearbeitung möglich machen. Mein Highlight-Feature das ich immer nutze ist die Möglichkeit einen Rand um meine Bilder zu legen. Das ist ein persönliches Ding, aber mit Polarr geht das schnell und unkompliziert.

Backup bei Amazon od. Google

Bilder verlieren weil die Festplatte sich zerlegt hat ist der Alptraum jedes Fotografen. Ich spreche aus Erfahrung. Eine nicht gesicherte Festplatte hat mich in der Vergangenheit mal 3.000 Fotos gekostet…das hat echt weh getan! Aus dieser Erfahrung heraus habe ich mir angewöhnt meine Bilder IMMER in der Cloud zu sichern. Bis letztes Jahr war hier Google eigentlich immer meine präferierte Wahl (weil man dort Bilder bis zu einer Breite von 2000px unbegrenzt hochladen konnte). Leider hat Google seine Policy geändert und nun zählen diese Bilder auch zu den 15 GB Speicherplatz die man mit seinem kostenlosen Konto bekommt. Das ist schade. Aber es gibt zumindest einen Ersatz für Menschen die einen Amazon Prime Account haben. Amazon bietet seinen Kunden nämlich ebenfalls eine Möglichkeit seine Bilder mittels Sync-Tool auf seinen Servern zu speichern.

Im Gegensatz zu Google ist man hier nicht limitiert. Man kann JEDES Format in JEDER Größe hochladen. Klar, das ist eine charmante Art der Kundenbindung, aber hey…wenn man den Service for free mitbekommt und eh Amazon Prime Kunde ist…warum sollte man das nicht mitnehmen? Und wenn Amazon irgendetwas hat, dann Festplattenspeicher. Wenn man jetzt noch bedenkt das Amazon auch die entsprechenden Sicherheitmechanismen hat um Serverausfälle und andere “worst case” Situationen abzufangen kann man sich sicher sein das die Bilder dort sicher aufbewahrt sind. Die Oberfläche des Datensync-Tools ist einfach gehalten und sollte auch dem unbedarften bzw. nicht so Computer affinen Nutzer eine einfache Möglichkeit bieten seine Sicherung einzurichten. Am Anfang kommt eh eine Art Einrichtungs-Assistent, der einen durch den Default-Weg führt.

Never the less (das ist jetzt nicht kostenfrei): Man sollte auch immer zuhause eine Sicherungsfestplatte an seinem Rechner haben, auf der alle Bilder zusätzlich noch einmal gesichert werden. Das weniger wegen der eigentlichen Sicherung, aber für den Fall der Fälle geht das zurückspeichern viel schneller als mit einem Onlinedienst. Das ist jetzt aber so ne persönliche Nummer von mir.

Fazit:

Man muss nicht zwangsweise gleich zu Adobe rennen, und sich dort in das Abo-Modell von Photoshop und Lightroom einkaufen. Es gibt ein paar nette kleine Tools die einem das Leben auch for free leicht machen und den Einstieg in die Fotografie erleichtern. Es sei aber gesagt, dass sobald man dann doch die nächsten Schritte Richtung Amateur oder semi-professioneller Fotografie gehen will, wird man um Adobe nicht herum kommen. Aber vielleicht irre ich mich da auch. Falls jemand der meinen Artikel liest aus dem Bereich “Fortgeschrittene Fotografie” kommt und NICHT auf Adobe ist, kann gerne mal seine Erfahrungen in den Kommentaren posten. Das interessiert mich nämlich wie so ein Workflow aussieht.

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